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Автор статьи, один из лучших российских переводчиков, Татьяна Датченко Deutsche Sprache/praktische Lexikographie
1.12.2003 10:55 | Русское Зарубежье
     Словари, бесспорно, самая главная составляющая в процессе осмысления и изучения языка. Но, к сожалению, до сих пор не достаточно литературы по лексикографии разделу языкознания, занимающемуся теорией и практикой составления словарей. В статье Т.Ф. Датченко предпринята попытка проанализировать самые популярные толковые словари немецкого языка за последние сто лет и проследить, как изменился подход к отображению в словарях одной из важнейших лексических тем полисемии (многозначности слова).

Tatjana Dattschenko

DEUTSCHE SPRACHE PRAKTISCHE LEXIKOGRAPHIE

POLYSEMIE UND WÖRTERBÜCHER

Überblick über die wichtigsten Wörterbücher im Hinblick auf eine vergleichende Betrachtung der Polysemie

Die Lexikographie stand und steht immer noch am Rande der Lexikologie, obwohl ihre Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Zu den wichtigsten und kompliziertesten Problemen der praktischen Lexikographie gehört die Darstellung der Polysemie (Mehrdeutigkeit) in den Bedeutungs- sowie zweisprachigen Wörterbüchern. Um das Thema gründlicher zu beleuchten, wurde in diesem Artikel ein Versuch unternommen, Wortartikel in den populärsten deutschen Wörterbüchern zu analysieren; als Kriterium des einzugrenzenden Untersuchungsbereiches diente die Aussonderung und Gruppierung von Bedeutungen der vieldeutigen Wörter.
Der bekannte russische Sprachforscher Lev V. Ščerba schrieb bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts: Alle wissen doch, wie schwer es ist, die Bedeutungen der Wörter in den Bedeutungswörterbüchern zu formulieren. Seit jeher war das eine schwache Seite der Wörterbuchautoren, und seit jeher wird die Frage über die besten Verfahren bei der Bestimmung der Bedeutungen diskutiert (s. Arbeit Abriss einer allgemeinen Theorie der Lexikographie). Dabei kritisierte er das Deutsche Wörterbuch von Hermann Paul (1896), in dem die Bedeutungen der polysemen Wörter nicht bestimmt sind, obwohl Paul das Vorhandensein solcher Bedeutungen nicht leugnete.
Ein Beispiel hierzu: der Wortartikel ,die Nadel aus dem Wörterbuch von Hermann Paul (2. Auflage, 1908):
Nadel = mgd. nâdel, gemeingerm. Bildung (engl. needle) zu nähen. Es bezeichnet daher ursprünglich die Nähnadel, und die Verwendung für Steck-, Stick-, Strick-, Haar-, Magnet-, Zündnadel etc. sowie für die Nadel des Nadelholzes ist abgeleitet. Etwas auf der N. haben etwas verbrochen haben, wofür man noch Strafe zu gewärtigen hat (von der Stricknadel abgeleitet/hergenommen?).
Dazu Nadler als Gewerbebezeichnung.
Ščerba meinte, dass mit Hilfe des Paul-Wörterbuchs derjenige, der die deutsche Sprache noch schlecht beherrscht, deutsche Texte nicht richtig verstehen könnte. Nach Ščerba sollen im Wörterbuch alle Bedeutungsvarianten des polysemen Wortes angeführt werden, obwohl diese heikle Frage von den Verfassern ein präzises Sprachbewusstsein und Sprachgefühl verlangt. Er unterschied die Systemhaftigkeit der Lexik im Allgemeinen und die Systemhaftigkeit der Beziehungen zwischen den Bedeutungen eines polysemen Wortes im Besonderen. Alle Bedeutungen des vieldeutigen Wortes, die in einem Lautkomplex ausgedrückt sind, bilden meist mehr oder wenig komplizierte Systeme. Die Systemhaftigkeit der Lexik und die Systemhaftigkeit der Beziehungen zwischen den Bedeutungen können im Rahmen der Synchronie beschrieben werden. Als Korrelat dieser Systeme tritt das allgemeine reale Sprachbewusstsein einer bestimmten Menschengemeinschaft in einer bestimmten Zeitperiode.
In seiner Arbeit analysiert Ščerba das Wort игла; die Wahl ist nicht zufällig, denn in den Prinzipien der Sprachgeschichte bringt Hermann Paul dieses Wort als Beispiel für ein einfaches Wort, das in verschiedenen Situationen eine Steck-, Näh-, Stopf-, Strick- und Häkelnadel bezeichnen kann.
Darin werden von Ščerba sieben Bedeutungen ausgesondert:
1.швейная игла
2.вязальная игла, или спица
3.филейная игла
4.лист хвойного дерева
5.колючка растения
6.колючка животного
7.граммофонная игла
Ščerba vertrat die Meinung, dass die ursprüngliche Bedeutung des Wortes игла gar nicht швейная игла war, aber gerade diese Bedeutung nimmt im heutigen Wortverständnis die erste Stelle ein, was die synchrone Betrachtung der Polysemie von Ščerba nochmals bestätigt. Mit dem deutschen Wort die Nadel verhält es sich anders. Etymologisch ist es mit dem Verb nähen verbunden und hat die Hauptbedeutung ,ein feines, spitzes Werkzeug mit einem Öhr, das zum Nähen verwendet wird/dient nicht verloren.
Es wäre von Interesse, die Darstellung der Bedeutungen dieses Wortes auf Grund einiger Wörterbücher aus den letzten fünfzig Jahren zu verfolgen. Zur Analyse werden folgende Wörterbücher vorgeschlagen:
1.der Sprach-Brockhaus, Wiesbaden, 1956
2.R.Klappenbach/W.Steinitz. Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, 1961-1976
3.Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden (hrsg. vom Wissenschaftlichen Rat und den Mitarbeitern der Dudenredaktion unter Leitung von Günther Drosdowski), Mannheim-Wien-Zürich, 1976-1981
4.Duden. Das Deutsche Universalwörterbuch A-Z (hrsg. vom Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion unter Leitung von Günther Drosdowski), Mannheim-Leipzig-Wien-Zürich, 3. Auflage, 1996
5.Das Große deutsch-russische Wörterbuch in 2 Bänden (hrsg. von Olga I. Moskalskaja), Moskau, 1969
6.PC-Wörterbuch, Polyglossum Ver. 1.7. Allgemeine Lexika. Deutsch- Russisch-Deutsch, Igor Jourist Verlag, 1998
7. G. Wahrig. Deutsches Wörterbuch. Gütersloh, 1968, 1978
8.G. Wahrig. Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der deutschen Sprachlehre. Gütersloh, 1975, 1980
9. G. Wahrig. Dtv-Wörterbuch der deutschen Sprache. 1978, 1985

Der Sprach-Brockhaus

Im Sprach-Brockhaus wird der Wortartikel ,die Nadel folgenderweise abgehandelt:
die Nadel (-, n)
feines, schlankes Gerät mit Spitze als Nähnadel mit Öhr und Spitze, auch Spitze am Werkzeug, z.B. der Ahle, am Gewehr, Zunge an Messgeräten, Blattform, Felsform, Kristallform, Sinnbild der Kleinheit;
keine N. konnte zur Erde fallen: wir standen sehr dicht;
groß wie eine N., Stecknadelkopf;
etw. wie eine N. Suchen: mühsam in allen Ritzen;
Redeweisen;
wie auf Nadeln sitzen, stehen: das Abwarten qualvoll empfinden;
etw. auf der N. haben; eine Arbeit unter den Händen, aber auch: etw. Böses getan haben;
mit Nadeln stechen: boshaft reden.

Es ist kennzeichnend, dass dieses Wörterbuch dem Problem der Polysemie keine große Bedeutung beimisst. Weder werden verschiedene Bedeutungen herausgestellt und gegliedert, noch werden Gruppen gebildet, es folgt nur die Aufzählung (das lineare Prinzip), die kein erschöpfendes Bild über das Wort bietet. Dieser Sachverhalt erklärt sich dadurch, dass der Sprach-Brockhaus ein volkstümliches Nachschlagewerk ist, das für deutschsprachige Benutzer bestimmt ist und in dem die Grammatik eine große Rolle spielt. Dieses Wörterbuch, so die Verfasser im Vorwort, bringt zum ersten Mal ein Rechtschreiben-, Verdeutschungs-, Sprachrichtigkeits-, Stil- und Herkunftsbuch mit in dem gleichen Abc; aber die Art der Darstellung der Polysemie kann man mit der von Hermann Paul im Deutschen Wörterbuch vergleichen.

Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

Dem Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, herausgegeben von R. Klappenbach und W. Steinitz, gelang es in ausführlicher und umfassender Weise, das Problem einer Aussonderung und Gruppierung der Bedeutungen von vieldeutigen Wörtern zu lösen. Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG) wurde in Berlin an der Deutschen Akademie der Wissenschaften (ab Oktober 1972: Akademie der Wissenschaften der DDR) zwischen 1952 und 1977 erarbeitet. Das WDG umfasst über 4.500 Seiten und enthält als autonome Einträge knapp 100.000 Stichwörter. Schon während seines Erscheinens wurde das WDG zum Vorbild neuer gegenwartssprachlicher Wörterbücher anderer Verlage.
Die Artikel sind systematisch aufgebaut und nach Bedeutungen gegliedert. Bei der Anordnung der Bedeutungen des Stichwortes sind zwei verschiedene Gesichtspunkte maßgebend:
1)die heute gebräuchlichsten Bedeutungen sollen vor seltenen, ungebräuchlichen stehen;
2)die konkreten Bedeutungen sollen vor den übertragenen stehen.
Wenn die konkrete Bedeutung heute völlig veraltet ist, tritt sie hinter die übertragene. Heute übliche konkrete Bedeutungen eines Stichwortes stehen am Ende eines Artikels hinter übertragenen Verwendungsweisen, wenn sie in ihrem Anwendungsbereich für alle Sprecher stark eingeschränkt erscheinen.
Die zweite Regel ist für die Verfasser wichtiger. In diesem Wörterbuch hat das funktionale Prinzip die Oberhand über das diachronische Prinzip gewonnen, das in den historischen und etymologischen Wörterbüchern zu gebrauchen ist.
Die lexisch-semantischen Varianten werden im Wörterbuch hierarchisch beschrieben.
Tiefgreifende Unterschiede der Bedeutungen werden durch römische Zahlen angegeben. Arabische Zahlen werden bei der Darstellung der lexisch-semantischen Varianten (weiter: LSV) angewendet. Der arabischen Bezifferung folgt die Untergliederung in a) und b) (Unterbedeutungen). Weitere Untergliederung in α) und β) wird nur in relativ wenigen Fällen gebraucht, wenn sie der Übersichtlichkeit in der Darstellung dient.
Die hierarchische Beschreibung der LSV gibt eine adäquate Vorstellung über die Beziehungen zwischen den konkreten und übertragenen Bedeutungen, die trotz der nihilistischen Position von Wahrig (s. unten) ausgesondert werden können.

Der Wörterbuchartikel ,die Nadel:
1.kleines, feines, dünnes Gerät, meist aus Metall, mit einer Spitze (zum Einstechen)
a)mit einem Öhr zum Nähen, Stopfen, Stricken
b)mit einer Höhlung an Injektionsspritzen
c)zum Ritzen
d)Grammophonnadel
2.Schmuckgegenstand zum Anstecken
3.Zeiger, der etw. anzeigt
a)am Kompass
b)am Tachometer
4.(meist im Pl.) dünnes, sehr schmales, meist immergrünes Blatt des Nadelbaums.
Mit dem WDG wurden "neue Maßstäbe für die einsprachige Lexikographie der deutschen Gegenwartssprache gesetzt" (H. E. Wiegand).

Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache (GWDS) Duden. Das Deutsche Universalwörterbuch

Das Wörterbuch von Günther Drosdowski verfolgt zwei Hauptziele. Es erfasst zum einen den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache, zum anderen erklärt es den Wortschatz so genau wie möglich. Im Vorwort heißt es: Das Wörterbuch arbeitet stärker, als es bisher in der Lexikographie üblich war, mit sprachwissenschaftlichen Methoden die Bedeutungen heraus, registriert alle Bedeutungen ohne Einschränkungen oder ideologische Vorbehalte. Der Autor strebt danach, alle Bedeutungen möglichst präzise zu erfassen, und macht dabei vom funktionalen Prinzip Gebrauch. Alle LSV werden wie im WDG hierarchisch beschrieben. Es wird ein reichhaltiges System von Hinweisen benutzt. Im Unterschied zu anderen Wörterbüchern werden im GWDS acht Stilschichten (Bewertungen) abgegrenzt. Durch spezielle Hinweise werden Wörter und Wendungen 182 Fachbereichen, Fach- und Sonderwortschätzen zugewiesen.
Das GWDS geht der Geschichte der Wörter nach. So ist es ein Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, aber mit historischer Tiefe.
Das Wort ,die Nadel, in dem sieben LSV ausgesondert werden, gehört im GWDS zu den multisemen Wörtern (unter multisemen Wörtern versteht man die Wörter, die mehr als sechs Bedeutungen haben).

die Nadel
1.Werkzeug aus Metall
2.Kurz für:
a)Nähnadel
b)Steck-
c)Zier-
d)Hut-
e)Haar-
f)Injektions-
g)Radier- (bild. Kunst)
h)Grammophon-
3.a) Stricknadel
b) Häkel-
4.(bes. Technik)
die N. eines Ventils 5.nadelförmiger Zeiger eines Messinstruments
6.Blatt eines Nadelbaumes
7.Felsnadel
Als komplettes Beispiel s. unten der Wortartikel aus dem Universalwörterbuch, das auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln, die aber in keiner Hinsicht die Struktur der Wortartikel beeinflusst haben, herausgegeben wurde. Die Grammophonnadel wird dabei aus verständlichen historisch-technischen Gründen nicht erwähnt, ,an der Nadel hängen wird konkretisiert statt ,rauschgiftsüchtig sein steht ,heroinsüchtig sein.
Na|del, die-, -n (mhd. nādel(e),ahd. nād(a)la, zu ↑nähen):
1. mehr od. weniger feiner, spitzer Gegenstand bzw. Werkzeug bes. aus Metall mit verschiedenen Funktionen: eine feine, dicke, lange, spitze, stumpfe N.
2. a) kurz für ↑Nähnadel: die N. einfädeln; den Faden in die N. (das Nadelöhr) einfädeln; *etw. mit heißer/mit der heißen Nadel nähen (ugs; etw. sehr flüchtig nähen; eigtl. = nähen, als ob man fürchtete, sich an der Nadel die Finger zu verbrennen); b) kurz für Stecknadel: etw. mit n heften, stecken; R man konnte eine N. fallen hören (es herrschte in der Zuhörerschaft absolute Stille, angespannte Aufmerksamkeit); c) kurz für ↑Anstecknadel; d) kurz für ↑Haarnadel: die Haare mit n aufstecken; e) kurz für ↑Injektionsnadel: * an der Nadel hängen (Jargon; von Drogen abhängen, die injiziert werden, insbesondere heroinsüchtig sein); f) kurz für ↑Radiernadel; mit der kalten N. (bild. Kunst; Kaltnadel) arbeiten.
3. kurz für ↑Stricknadel, ↑Häkelnadel.
4. (bes. Technik) nadelförmiges Teil (mit unterschiedlicher Funktion): die N. eines Ventils.
5. beweglicher Zeiger eines Messinstruments: die N. zittert, steht still; die N. (Kompassnadel) zeigt nach Norden; die N. (Tachometernadel) pendelt zwischen 90 und 100 km.
6. nadelförmiges, meist immergrünes Blatt eines Nadelbaumes: der Tannenbaum verliert die n. 7. kurz für ↑Felsnadel;

Die Schlussfolgerung ist offensichtlich:
Die Zahl der Bedeutungen eines vieldeutigen Wortes schwankt je nach dem Wörterbuch. Angaben über die Zahl der Bedeutungen kann man bei dem Vergleich der Information aus verschiedenen lexikographischen Quellen bekommen. Als zuverlässige Orientierungspunkte dienen dabei für die deutsche Sprache das WDG und das GWDS. Die Ausgabe das Große Wörterbuch der deutschen Sprache aus dem Dudenverlag mit über 200.000 Stichwörtern in zehn Bänden fasst den heutigen Wortschatz des Deutschen () am treffendsten zusammen notabene in neuer Rechtschreibung, so Frankfurter Allgemeine, dazu gibt es das GWDS auf CD-ROM. Das riesige Wörterverzeichnis beruht auf einer genauen Beobachtung unserer Sprache. Systematisch ausgewertet und genutzt wurden mehrere Millionen Belege aus der traditionellen und der elektronischen Sprachkartei der Dudenredaktion sowie umfangreiche elektronische Textsammlungen (Korpora) und Werkzeuge kommerzieller wie wissenschaftlicher Anbieter, schreibt die Duden-Redaktion.


Wörterbücher von Gerhard Wahrig

Das von Gerhard Wahrig vorgeschlagene System der Darstellung der Polysemie nimmt einen besonderen Platz in der Theorie der Polysemie ein. Im Vorwort zum Deutschen Wörterbuch (DWW) bringt er seine Gedanken über die Anordnung der Worterklärungen zum Ausdruck. Er schreibt: Bisher gab es zwei grundlegende Möglichkeiten bei der Anordnung der Bedeutungen: 1) die historische Anordnung, bei der man von einer oft fiktiven ursprünglichen Bedeutung ausgeht;
2) die Anordnung nach weiterer und engerer Bedeutung, wobei die Grundbedeutung und spezielle Nebenbedeutungen einander gegenübergestellt werden.
Der Autor findet die beiden Verfahren nicht befriedigend, weil sie nie wissenschaftlich exakt und rein darstellbar seien. Die Ansichten der einzelnen Bearbeiter gehen dabei sehr weit auseinander. Keine der beiden Methoden arbeitet ohne einen erheblichen Spielraum an subjektiven Verständnisweisen seitens des Bearbeiters. Es ist einzusehen, dass ein solches Verfahren sehr zeitraubend ist, weil subjektive Entscheidungen immer ein höheres Maß (in diesem Falle oft unproduktiver) geistiger Arbeit verlangen als ein Vorgehen nach klaren Regeln. Auch für den Benutzer ist es erst nach einiger (sehr langer) Zeit der Benutzung des Wörterbuchs möglich, sich mit dem Verfahren des Verfassers zurechtzufinden, darum wird das Nachschlagen erschwert.
Der Autor kommt zum Ergebnis, dass man weder von der historischen Entwicklung eines Wortes noch von einer irgendwie konstruierten Bedeutungsverteilung, sondern rein von der Form eines Wortes im Zusammenhang mit der lebenden Sprache ausgehen kann. Der Anordnung der Bedeutungen liegt im DWW das Distributionsprinzip zugrunde. Beschrieben werden nicht die Einzelbedeutungen eines polysemen Wortes (diese Frage bleibt offen), sondern morphologische, syntaktische, semantische Umgebungen des Stichwortes. Die Wortartikel werden vom Satzzusammenhang ausgehend nach rein formalen Gesichtspunkten aufgebaut. Als Form versteht man hier dreierlei:
1) die morphologische Form des Wortes;
2) die syntaktische Form (ein transitives, intransitives, reflexives, persönliches oder unpersönliches Verb; ein unzählbares oder zählbares Substantiv);
3) die Form des Kontextes, bei der man unterscheidet;
a) die Nullstelle, wenn das Wort für sich allein betrachtet wird, d.h. die Bedeutung eines Wortes ist unabhängig von Kontext (übrigens ein Zugeständnis der Verfasser des DWW an die Idee der Grundbedeutung);
b) Redewendungen mit Substantiven;
c) Redewendungen mit Verben;
d) Redewendungen mit Adjektiven und Begleitern und Stellvertretern des Substantivs;
e) Redewendungen mit Partikeln (Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen). Nach gleichen Prinzipien werden auch die Wortartikel im Deutschen Wörterbuch. Mit einem Lexikon der deutschen Sprachlehre (1975) aufgebaut. Auch im Vorwort zu dieser Ausgabe betonte G. Wahrig, dass die deutsche Sprache einer Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten fähig ist. Um dieser Fülle von Wendungen Herr zu werden, war es notwendig, die einzelnen Wortartikel streng nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gliedern, die es möglich machen sollen, eine Redewendung in einem größeren Artikel ohne Mühe zu finden.
Der Wortartikel ,die Nadel aus dem DWW:
Nadel (f. 21)
1. feines, spitzes Werkzeug zum Nähen (Näh-), Stricken (Strick-), Häkeln (Häkel-), Stecken, Feststecken (Steck-, Sicherheits-), zum Wiedergeben von Tonaufzeichnungen (Grammophon-), zum Ritzen, Radieren (Radier-, Kalt-)- zum Anzeigen der Himmelsrichtung (Magnet-, Kompass-), ansteckbares Schmuckstück (Krawatten-), Brosche; Blatt der Nadelbäume (Tannen-, Fichten-), eine Felsform, eine Kristallform, Sinnbild des Kleinen, Feinen. 2. die Nadeln fallen schon ab (vom Weihnachtsbaum), die N. vorsichtig aufsetzen (auf die Schallplatte), eine N. einfädeln, man hätte eine N. zu Boden fallen hören können (so still war es), es konnte keine N. zur Erde fallen, so dicht standen die Leute, die N. zeigt nach Norden (auf dem Kompass).
3. sich an, mit einer N. stechen, es ist mit heißer N. genäht (fig.) sehr rasch, das habe ich wie eine N. gesucht mühsam in allen Ritzen; ich sitze, stehe wie auf Nadeln (fig.) ich bin in peinlicher Verlegenheit.
Nach dem Wortartikel stehen die etymologischen Angaben.
Im Vorwort zur Ausgabe 1980 schrieb Dipl.-Phil. Ursula Hermann: Da es Prof. Dr. Gerhard Wahrig nicht mehr vergönnt war, die Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuches selbst zum Abschluss zu bringen (er starb im September 1978), habe ich als seine langjährige Mitarbeiterin diese Arbeit entsprechend seiner Konzeption durchgeführt.
...Das zugrunde liegende System des Buches (der Aufbau der Artikel nach formalen Gesichtspunkten) blieb unangetastet, da es, wie der bisherige Erfolg zeigt, allgemein akzeptiert worden ist und sich vielfach, besonders auch beim Gebrauch durch Ausländer, bewährt hat.
So ist der Wortartikel ,die Nadel in der Neuausgabe dem im DWW sehr ähnlich. Es fehlt nur: ,Sinnbild des Kleinen, Feinen, ,es ist mit heißer Nadel genäht.
Ganz anders verhält es sich mit dem dtv-Wörterbuch, in dem sich G. Wahrig von seinem System lossagte. Die erste Auflage des dtv-Wörterbuchs erschien zu Lebzeiten Wahrigs im April 1978. So arbeitete der berühmte Lexikograph an zwei Wörterbüchern, das eine ist nach den von ihm ausgearbeiteten Prinzipien aufgebaut, in dem anderen lässt er sich von dem Prinzip leiten, das in der modernen Lexikographie zur Zeit traditionell ist und das man hierarchische Darstellung nennt. Im dtv-Wörterbuch unterscheidet man:
1)Homonyme, sie sind mit den kleinen Ziffern rechts über dem Wort versehen:
Golf1 (m) Einschnitt des Meeres ins Festland Golf2 (n) Rasenspiel 2)den verbreitetsten Typ bilden die lexisch-semantischen Varianten, die durch arabische Ziffern abgegrenzt sind: Nadel 1 feines, spitzes Werkzeug (aus Metall);
2Zeiger (zum Anzeigen der Himmelsrichtung);
3ansteckbares Schmuckstück:
4Blatt der Nadelbäume
3)Unterbedeutungen mit engerer Beziehung, sie werden durch zwei Ziffern eingeleitet:
1.1feines, spitzes Werkzeug mit einem Öhr zum Nähen, Stopfen, Sticken
4)figürliche Bedeutungen, die gewöhnlich durch drei Ziffern abgegrenzt sind:
1.1.1es ist mit heißer Nadel genäht (fig.) sehr rasch.
Obwohl G. Wahrig von dem hierarchischen Prinzip Gebrauch macht, wird es bei ihm inkonsequent verwirklicht. Bei anderen Lexikographen werden die Bedeutungen, die am Rande der Homonymie stehen, mit römischen Ziffern versehen. G. Wahrig unterscheidet nicht solche Gruppen von Bedeutungen. So werden bei ihm solche Bedeutungen mal als Homonyme, mal als lexisch-semantische Varianten betrachtet, was gegen die Einheitlichkeit in der Darstellung der Polysemie verstößt.
z.B.
aber 1 (Konj.)
2 (Int.; verstärkt Adj. od. Pron.)
3 (Adv.)
je1 (Adv.)
je2 (Indefinitpron.)
je3 (Konj. vor Komparativ)
je4 (Int.)
Im kleinen Bedeutungswörterbuch von Paul Grebe (etwa 14.000 Stichwörter so ist es dem Umfang nach dem dtv-Wörterbuch praktisch gleich) werden diese Bedeutungen mit den römischen Ziffern versehen. aber: I. (Konj.)
II. (Adv.)
je: I. (Adv.)
II. (Konj.)
Solche Darstellung mit Hilfe römischer Ziffern scheint logischer zu sein.
Im dtv-Wörterbuch werden die übertragenen Bedeutungen der Wörter in Phraseologismen als lexisch-semantische Varianten betrachtet. So werden im Wort ,Butterbrot vier Bedeutungen unterschieden:
1)mit Butter bestrichene Scheibe Brot
2)jmdm. etwas aufs B. schmieren (fig.; umg.) sehr deutlich u. immer wieder zu verstehen geben, vorwerfen
3)etwas für ein B. bekommen, kaufen, verkaufen (fig.; umg.) spottbillig, weit unter dem Preis
4)für ein B. arbeiten (fig.; umg.) fast umsonst
,Butterbrot ist bei Wahrig multisem, was aber eigentlich als nicht gerechtfertigt erscheinen kann. Nach der Meinung von I.I. Černyševa sind Phraseologismen feste Wortkomplexe mit singulärer Verknüpfung der Konstituenten, deren Bedeutung durch eine vollständige oder teilweise semantische Transformation des Konstituentenbestandes entsteht. Der Gebrauch eines Wortes im Phraseologismus darf als eine neue lexisch-semantische Variante nicht betrachtet werden. Monosem ist dieses Wort im Duden-Bedeutungswörterbuch:
Butterbrot, das: mit Butter bestrichene Scheibe Brot: *für ein B. arbeiten (ugs.; gegen sehr geringe Bezahlung arbeiten); etw. für/um ein B. bekommen/ [ver]kaufen (ugs.; etw. sehr billig bekommen/ [ver]kaufen); jmdm. etw. aufs B. schmieren/streichen (salopp; jmdm. etw. für ihn Ärgerliches o.ä. erneut deutlich zu verstehen geben; jmdm. etw. Zurückliegendes wieder vorwerfen)
sowie im Großen deutsch-russischen Wörterbuch von O.I. Moskalskaja.
Butterbrot n хлеб с маслом
j-n auf ein B. bitten пригласить кого-л на чашку чаю
*für ein B. разг. за бесценок почти даром
j-m etw. aufs Butterbrot schmieren разг. постоянно упрекать кого-л.,
укорять (попрекать) кого-л. чем-л.
ihm fiel das B. regelmäßig auf die Fettseite разг. его преследовали неудачи
Genauso verhält es sich mit den Wörtern ,Kinderstube, ,Koch u.a.m. Daraus kann man schließen, dass für die Feststellung, ob ein Wort monosem, polysem oder multisem sei, das dtv-Wörterbuch nicht immer als eine zuverlässige Quelle dienen kann. Das hierarchische Prinzip (nicht jedes Beispiel unter einer Ziffer entspricht der lexisch-semantischen Variante des Wortes) sowie die systematische Darstellung der Polysemie werden von G. Wahrig oft verletzt.
Man kann es dem dtv-Wörterbuch nicht absprechen, dass, was die Zahl der Beispiele, der verschiedenen Situationen, in denen eine sprachliche Äußerung auftreten kann, anbetrifft, kein anderes Lexikon um deren Fülle wetteifern kann.
Bei dem Vergleich bestimmter Wörterbuchartikel aus den Wörterbüchern, die in größerem zeitlichen Abstand erschienen sind, kann man feststellen, dass die Evolution eines Wörterbuchartikels in den letzten hundert Jahren enorm war.

Darstellung der Polysemie in zweisprachigen Wörterbüchern

Nach Ščerba soll die Zahl der Bedeutungen eines polysemen Wortes in einem zweisprachigen Wörterbuch größer als die des entsprechenden Wortes in einem einsprachigen Bedeutungswörterbuch sein.
Das ist darauf zurückzuführen, dass es für die Ausländer von Belang ist, mit Hilfe des Nachschlagewerks praktisch alle lexisch-semantischen Varianten des Wortes zu erfahren. Der Wortartikel ,die Nadel aus dem Großen deutsch-russischen Wörterbuch von Olga I. Moskalskaja (GDRW) ist ein guter Beweis dafür.

Nadel f =, -n
1. игла, иголка
die Nadel einfädeln вдевать нитку в иголку
etw. wie eine Nadel suchen старательно искать что-л.; все обыскать в поисках чего-л.
etw. keiner Nadel wert achten ~ не ставить что-л. ни в грош
wie auf Nadeln sitzen сидеть как на иголках
etw. auf der Nadel haben
1)иметь что-л. в работе
2)иметь что-л. на совести; провиниться в чем-л.
er hat bei mir noch etwas auf der N. у меня еще есть с ним счеты
mit der heißen Nadel genäht сшитый на живую нитку
mit Nadeln stechen перен. подпускать кому-л. шпильки
der Ritter von der Nadel шутл. рыцарь иголки, портной
2. булавка; шпилька
3. спица, крючок (для вязания)
4. брошь, значок
5. стрелка (компаса)
6. бот. игла, иголка; pl. хвоя
7. пик, шпиль
8. тех. игольчатый ролик (подшипника)
9. прошивка (инструмента)
10.тонкий пуансон
keine N. konnte zu Boden (zur Erde) fallen ~ иголке (яблоку) негде было упасть (из-за тесноты)
man hätte eine N. fallen hören ~ можно было услышать, как муха пролетит (букв. можно было услышать, как упала иголка).

Zahlreiche digitale Wörterbücher haben das Problem der Aussonderung der Bedeutungen in den polysemen Wörtern nicht aufgegriffen. Z.B. ist das PC-Wörterbuch Polyglossum Ver. 1.7. Allgemeine Lexika. Deutsch-Russisch-Deutsch (Igor Jourist Verlag, 1998) nur eine digitale Version des Moskalskaja-Wörterbuchs - mit zahlreichen Druckfehlern, dafür ohne Erwähnung der realen Wörterbuchautoren. Mit der Geburt der PС-Wörterbücher kam es zu keinen revolutionären Wandlungen in der Theorie der Lexikographie. Die deutsch-russischen Übersetzungsprogramme sind zur Zeit bei weitem nicht so vollkommen, als dass man ohne menschliche Übersetzer auskommen könnte. Das Hauptproblem der Übersetzungsprogramme besteht in der richtigen Wahl der adäquaten Wortbedeutung eines polysemen Wortes oder des entsprechenden Homonyms. Als Beispiel, das ziemlich drastisch die Grenzen der Sprachsoftware aufzeigt und beweist, wie schnell sie in ihrer Leistung überfordert ist, ein Auszug aus dem Artikel Ein allzu sehr verheirateter Taxifahrer in der Moskauer Deutschen Zeitung (Nr. 18, 2003, www.mdz-info.de/Schauspiel)
...Der Regisseur der Moskauer Inszenierung samt dem Übersetzer haben die Farce in Ein allzu sehr verheirateter Taxifahrer umbenannt, denn, nach ihrer Meinung, ist ein Bigamist schon viel zu viel verheiratet.
Es lohnt sich kaum, das Sujet dieser Farce wiederzugeben, nur ganz kurz der Einstieg. Der Londoner Taxifahrer namens John Smith hat zwei Frauen auf einmal. Mit Mary ließ er sich mal auf dem Standesamt trauen, mit Barbara - in der Kirche. Drei Jahre verlief alles reibungslos, bis John Smith durch die Tasche einer alten Frau so stark verletzt wurde, dass er ins Krankenhaus kam. Bei diesem gut verwirklichten Running-Play kommen die Zuschauer voll und ganz auf ihre Kosten.
Nun der erste Versuch des Programms Stylus31, Copyright PROMT 1993- 1996:
Режиссер москвичей Inszenierung бархат переводчику переименовали Farce в "Слишком очень verheirateter водителя такси", так как, по мнению, является Bigamist уже много к многому verheiratet.
Это оплачивает себя едва ли возвращать Sujet этот Farce, только совершенно коротко Входил (посадка). Лондонский водителя такси имени (фамилии) John Smith имеет две женщин вдруг. С Mary он оставлялся раз на постоянный бархат доверяют, c Barbara в церкви. Три года проходил все безупречно, до John Smith сумкой старой госпожи так сильно нарушался, что он прибывал в больницу... При нем хорошо осуществленный RUNNING-PLAY прибывают зрители полностью и совершенно за Ваш счет.
Der zweite Versuch, verwirklicht mit Hilfe des Übersetzungsprogramms X-Translator, Copyright ООО "ПРОМТ", 2001, kommt dem Leser nur etwas präziser vor: ,sich lohnen wird schon richtig übersetzt, und das Standesamt hat mit ,бархат endlich nichts zu tun, obwohl die Übersetzung ,постоянное учреждение nur sehr ungenau den Begriff Standesamt trifft. Das reflexive Verb ,sich trauen (венчаться, регистрироваться в ЗАГСе) wird aber ìn der Bedeutung von ,осмеливаться gebraucht; ,lassen wird nicht übersetzt, die Redewendung ,auf seine Kosten kommen (остаться удовлетворённым) wird genauso wie ,samt (prp D - вместе с) falsch übersetzt.
Режиссер москвичей Inszenierung бархат Ubersetzer переименовали Farce в " слишком очень verheirateter водителя такси ", так как, по мнению, является Bigamist уже много к многому verheiratet.
Это стоит едва ли возвращать Sujet этот Farce, только совершенно коротко Входил (посадка). Лондонский водитель такси имени (фамилии) John Smith имеет две женщин вдруг. С Mary lie? Он осмеливаются раз на постоянном учреждении, с Barbara в церкви. Три года все проходил безупречно, до тех пор пока John Smith сумкой старой госпожи так сильно нарушался, что он в больницу прибывал ... При нем хорошо осуществленный Running-Play прибывают зрители полностью и совершенно за Ваш счет.
Nach dem Vergleich der durch die Programme übersetzten Texte mit dem Original vergewissert man sich dessen, dass man nach wie vor noch auf zuverlässige Wörterbücher angewiesen ist, deren Ergebnisse wiederum ohne eine lange Geschichte lexikologischer Entwicklung nicht denkbar sind. Die modernen technischen Methoden der Wortschatzanalyse stellen einen enormen Fortschritt dar, da die Erarbeitung von Wörterbüchern auf eine viel breitere und repräsentativere Textgrundlage gestellt werden kann. Aber alle technischen Neuerungen können nicht die Arbeit der Wörterbuchmacher ersetzen. Deren Aufgabe ist es nun, die enormen Mengen elektronisch zusammengestellten Materials zu sichten, zu interpretieren, aus ihnen auszuwählen und die entsprechenden Schlussfolgerungen für die Einträge im Wörterbuch zu ziehen (Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Dudenredaktion, Mai 2002). Die Fertigstellung von Wörterbüchern ist eine komplizierte und schöpferische Sache, die einen wissenschaftlichen Charakter haben und nicht aus einer mechanischen Gegenüberstellung der fertigen Elemente bestehen soll. Gute Übersetzungen werden nicht kompiliert, sie werden geschaffen, und jedes schwierige Wort diene als Thema einer wissenschaftlichen Wortmonographie die Meinung von Ščerba bleibt nach wie vor aktuell.

Termini in der Polysemie

In der Theorie der Polysemie wird eine Menge von Termini gebraucht, wobei es außerordentlich wichtig ist, diese auseinander zu halten. Einzelne Bedeutungen eines polysemen Wortes werden lexikalisch-phraseologische Formen des Wortes - LSF (V.V. Vinogradov) oder seine lexikalisch-semantische Varianten - LSV (A.I. Smirnickij) genannt. Daneben werden auch weitere Termini gebraucht: Wortbedeutung (M.V. Nikitin); Usem (B.J. Gorodeckij).
Die LSV stellt eine minimale bilaterale lexikalische Einheit dar, indem andere Termini nur den Inhaltsplan der einzelnen Bedeutungen des polysemen Wortes bezeichnen.
Das Semem. Nach Th. Schippan ist ein Semem eine Bedeutungseinheit, die einem Formativ unter bestimmten kontextualen Bedingungen zugeordnet wird. Bei polysemen Lexemen ist es eine Bedeutung, die mit anderen des gleichen Lexems strukturell verbunden ist. Diese Systemeinheit ist aus den Wortformen des Sprachgebrauchs, der Rede, isoliert.
Nach Lorenz/Wotjak könnte man ein Semem als die syntagmatisch-distributionelle Variante der Wortbedeutung ansehen, wie sie z.B. in Wörterbüchern in Definitionen angegeben wird.
Somit sind Sememe als Bedeutungen sprachlicher Einheiten dadurch voneinander abgrenzbar, dass sie in unterschiedlichen Distributionen auftreten können und sich demzufolge auch in ihren semantischen Merkmalen unterscheiden, wenngleich sie durch die für die jeweilige Bedeutung wesentlichen Seme zur Wortbedeutung verbunden sind.
Häufig wird der Terminus die lexisch-semantische Variante gebraucht, weil die LSV eine minimale bilaterale lexikalische Einheit darstellt, indem andere Termini nur den Inhaltsplan der einzelnen Bedeutungen des polysemen Wortes bezeichnen. Bei Stepanova/Černyševa werden diese Termini (die LSV und das Semem) gleichberechtigt gebraucht.
Es gibt eine Reihe von vollständigen Synonymen:
Polysemie/Mehrdeutigkeit,
Multisemie/Vieldeutigkeit,
semantische Derivation/Bedeutungswandel/semantische Wortbildung/Wortumbildung.
Neben der Polysemie wird auch der Terminus die Polyfunktionalität gebraucht, die in engerem Sinne die Systemantika charakterisieren, die zu verschiedenen Redeteilen gehören und im Satz verschiedene syntaktische Funktionen erfüllen
(ABER: 1. Konjunktion, 2.Interjektion; 3. Adverb).
Im weiteren Sinne ist jedes Wort polyfunktional, weil er verschiedene Funktionen - kommunikative, gnoseologische, nominative sowie pragmatische - erfüllt.

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